Noch vor wenigen Jahren galt generative Künstliche Intelligenz (GenAI) als technisches Hilfsmittel, um Texte zu schreiben, Bilder zu generieren oder Codezeilen zu produzieren. Heute, im Jahr 2025, hat sich das Bild radikal gewandelt. Eine aktuelle Studie des britischen KI-Unternehmens Filtered mit dem Titel „2025 Top-100 Gen AI Use Case Report“ offenbart eine bemerkenswerte Entwicklung: Die häufigsten Einsatzbereiche generativer KI betreffen nicht mehr primär Effizienz oder Produktivität – sondern emotionale Nähe, Lebensorganisation und sogar die Suche nach Sinn.

Neue Anwendungsfelder: KI rückt näher an den Menschen
Laut Filtered ist der führende Anwendungsfall generativer KI in diesem Jahr „Therapie und emotionale Begleitung“. Nutzer*innen wenden sich an KI-gestützte Chatbots oder Sprachassistenten, um emotionale Entlastung zu finden, persönliche Gespräche zu führen oder sich in schwierigen Lebenssituationen begleiten zu lassen. Der Einsatz reicht von einfachen Stimmungsanalysen bis hin zu kontinuierlicher mentaler Unterstützung.
In den Top 10 finden sich zudem weitere Beispiele für die zunehmende Humanisierung der KI-Nutzung:
- Therapie und Begleitung: KI-Systeme wie Chatbots und Avatare begleiten Nutzer*innen durch emotionale Tiefphasen, helfen bei mentaler Reflexion oder bieten Gesprächspartner in Momenten der Einsamkeit.
- Lebensorganisation und Zeitmanagement: KI hilft bei der Priorisierung von Aufgaben, übernimmt Kalenderpflege oder erinnert an Gesundheitsroutinen.
- Karriereberatung und Selbstreflexion: Nutzer*innen setzen KI zur Standortbestimmung und zur Entwicklung persönlicher Ziele ein
- Inspiration und Sinnsuche: Ob spirituelle Begleitung oder kreative Anregung – die KI dient zunehmend als Ideengeber und Reflexionshilfe.
- Gesundheitsberatung: KI unterstützt bei der Analyse von Symptomen, bietet Informationen zu Krankheiten und gibt Empfehlungen für gesundheitsfördernde Maßnahmen.
- Bildung und Lernen: Personalisierte Lernpläne und interaktive Tutorien werden durch KI ermöglicht, um individuelle Bildungsbedürfnisse zu erfüllen.
- Kreative Inhalte: KI generiert Texte, Musik, Kunstwerke und andere kreative Inhalte, die sowohl im professionellen als auch im privaten Kontext genutzt werden.
- Soziale Interaktion: Virtuelle Assistenten und Avatare ermöglichen neue Formen der sozialen Interaktion, insbesondere für Menschen mit eingeschränktem Zugang zu sozialen Kontakten.
- Alltagsunterstützung: Von Einkaufshilfen bis hin zu Erinnerungen an tägliche Aufgaben – KI erleichtert den Alltag in vielerlei Hinsicht.
- Nachrichten und Informationen: KI kuratiert und präsentiert Nachrichteninhalte basierend auf den Interessen und Bedürfnissen der Nutzer*innen.
Von Tools zu Companions: Ein Paradigmenwechsel
Während die erste Phase generativer KI stark durch den Einsatz in Unternehmen geprägt war (Texterstellung, Softwareentwicklung, Datenanalyse), verschiebt sich die Nutzung nun vom Arbeits- ins Lebensumfeld. Filtered beschreibt diesen Prozess als den Übergang von „Produktivitätsverstärker“ zu „emotionalem Begleiter“.
Die KI wird zum täglichen Gegenüber: Sie begrüßt morgens, erinnert an Routinen, reflektiert die Stimmungslage und beendet den Tag mit einem Gespräch über Herausforderungen und Erfolge. Diese Entwicklung zeigt nicht nur die technische Reife der Systeme, sondern auch das wachsende Vertrauen der Nutzer*innen.
Ein Zitat aus dem Report bringt es auf den Punkt: „People don’t just use GenAI to get things done – they use it to feel heard.“
Gesellschaftliche Implikationen: Zwischen Nutzen und Verantwortung
Mit dieser Verschiebung treten neue Fragen auf, die über technische Funktionalität hinausgehen:
- Psychische Gesundheit: Welche Verantwortung tragen Anbieter, wenn Menschen KI als Ersatz für psychologische Beratung nutzen?
- Soziale Isolation: Fördert der enge Kontakt zu KI-Systemen das Risiko, menschliche Beziehungen zu vernachlässigen?
- Datenschutz: Wie sensibel sind die Informationen, die Nutzer*innen mit KI teilen – und wie werden sie verarbeitet?
Forschende und Ethikräte warnen davor, die emotionalen Fähigkeiten der Systeme zu überschätzen. Auch wenn generative KI in der Lage ist, Empathie zu simulieren, fehlt ihr das menschliche Verständnis. Gleichzeitig erkennen viele Expert*innen auch Chancen: Niedrigschwellige KI-Begleitung kann erste Hilfe leisten, den Zugang zu psychischer Unterstützung erleichtern und Menschen in Krisen stabilisieren.
Fazit: Eine KI, die uns näher kommt – im Guten wie im Fragwürdigen
Die Ergebnisse des Filtered-Reports markieren einen Wendepunkt: Generative KI ist 2025 nicht mehr bloß Technologie, sondern Beziehungspartner, Berater und Inspirationsquelle. Dieser Wandel bringt enormes Potenzial mit sich – etwa im Bereich mentaler Gesundheit, persönlicher Entwicklung und Lebensgestaltung.
Doch mit der neuen Nähe zur Technologie wächst auch die Verantwortung. Anbieter, Entwicklerinnen und politische Entscheidungsträger sind gefragt, ethische Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Schutz und das Wohl der Nutzerinnen gewährleisten.
In der Summe zeigt sich: Die KI der Zukunft ist nicht nur leistungsfähiger – sie ist menschlicher. Und das stellt uns vor neue Chancen, aber auch vor neue Herausforderungen.









