Meta im Visier: Verbraucherschützer stoppen KI-Training mit Nutzerdaten

Der US-Konzern Meta will ab Ende Mai öffentliche Inhalte seiner Nutzer auf Facebook und Instagram für das Training Künstlicher Intelligenz verwenden – ohne deren ausdrückliche Zustimmung. Verbraucherschützer in Deutschland reagieren empört und haben rechtliche Schritte eingeleitet. Der Fall wirft zentrale Fragen zum Umgang mit persönlichen Daten in der Ära generativer KI auf – und könnte europaweite Folgen haben.

Autor: Michael Quast | Experte für KI-Transformation

Meta KI-Training, Datenschutzillustration mit Datensymbolen
Meta KI-Training, Datenschutzillustration mit Datensymbolen

Meta gegen den Datenschutz – Verbraucherschützer fordern Stopp des KI-Trainings mit Nutzerdaten

Der Streit um die Nutzung personenbezogener Daten für das Training Künstlicher Intelligenz erreicht eine neue Eskalationsstufe. Der Meta-Konzern plant ab dem 27. Mai 2025, öffentliche Beiträge von Nutzerinnen und Nutzern auf Facebook und Instagram in großem Stil für das Training seiner KI-Systeme zu verwenden. Die Verbraucherzentrale NRW hat bereits eine Abmahnung ausgesprochen – eine einstweilige Verfügung könnte folgen.

KI-Training mit Facebook- und Instagram-Daten

Laut Metas Ankündigung sollen künftig Inhalte wie Texte, Bilder oder Kommentare, die von Nutzerinnen und Nutzern auf Meta-Plattformen öffentlich gepostet wurden, für die Entwicklung von KI-Modellen verwendet werden. Die Maßnahme ist Teil der neuen Datenschutzrichtlinie, die ab Ende Mai gelten soll. Während Meta diese Praxis mit dem „berechtigten Interesse“ gemäß Artikel 6 DSGVO begründet, regt sich erheblicher Widerstand.

Verbraucherschützer schlagen Alarm

Am 30. April 2025 reichte die Verbraucherzentrale NRW eine Abmahnung gegen Meta ein. Der Vorwurf: Das Unternehmen informiere die Nutzerinnen und Nutzer nicht ausreichend transparent über die Nutzung ihrer Daten und verlasse sich auf ein Opt-out-Verfahren, das laut den Verbraucherschützern nicht DSGVO-konform sei.

Die Rechte der Nutzerinnen und Nutzer dürfen nicht durch undurchsichtige Mechanismen ausgehöhlt werden“, heißt es von Seiten der Verbraucherzentrale.

Ein Hauptkritikpunkt: Nutzer müssen aktiv widersprechen, wenn sie nicht möchten, dass ihre Daten für das KI-Training genutzt werden. Ein Opt-in-Verfahren mit ausdrücklicher Zustimmung sei datenschutzrechtlich jedoch deutlich gebotener – insbesondere bei der Verwendung potenziell sensibler Inhalte.

Meta verweist auf Branchenpraxis

Meta verteidigt sein Vorgehen als gängige Praxis und betont, dass man sich innerhalb der geltenden Datenschutzgesetze bewege. In einem öffentlichen Statement heißt es, das Training auf Basis öffentlich zugänglicher Inhalte sei notwendig, um KI-Modelle weiterzuentwickeln und „innovative Nutzererlebnisse“ zu ermöglichen. Man habe außerdem detaillierte Informationen bereitgestellt, wie Nutzer der Datennutzung widersprechen können.

So widersprechen Sie der Nutzung Ihrer Daten für Metas KI-Training

Meta verwendet ab dem 27. Mai 2025 öffentliche Inhalte von Facebook und Instagram für das Training Künstlicher Intelligenz. Wer das nicht möchte, kann widersprechen – aber der Weg ist nicht sofort ersichtlich. So funktioniert es:

  1. Profil aufrufen: Melden Sie sich bei Facebook oder Instagram an und gehen Sie zu Ihrem Profil.
  2. Datenschutzeinstellungen öffnen: Navigieren Sie zu „Einstellungen & Privatsphäre“ > „Privatsphäre“ > „Richtlinie zur Verwendung deiner Daten für KI“.
  3. Widerspruchsformular ausfüllen: Dort finden Sie einen Link zu einem Formular mit dem Titel „Einwände gegen die Verwendung meiner Informationen zur KI-Entwicklung einreichen“.
  4. Formular ausfüllen: Geben Sie Ihre Daten ein und bestätigen Sie Ihren Widerspruch.
  5. Bestätigung abwarten: Sie erhalten eine E-Mail mit der Bestätigung, dass Ihr Antrag bearbeitet wurde.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie bei Meta mit der richtigen E-Mail-Adresse eingeloggt sind. Der Widerspruch muss für jedes Konto (z. B. Facebook und Instagram) separat erfolgen. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Verbraucherzentrale NRW.

Rechtliche und gesellschaftliche Implikationen

Die Auseinandersetzung wirft ein Schlaglicht auf den wachsenden Zielkonflikt zwischen technologischem Fortschritt und Datenschutz. KI-Systeme sind auf große Mengen an Daten angewiesen – doch die rechtliche Grundlage für deren Nutzung ist komplex und in Europa besonders streng reguliert. Sollte die Verbraucherzentrale NRW tatsächlich eine einstweilige Verfügung erwirken, könnte das wegweisende Bedeutung für die gesamte Branche haben.

Metas Vorstoß zeigt, wie schnell ethische und rechtliche Fragen an Brisanz gewinnen, wenn KI auf persönliche Daten trifft. Der Ausgang dieses Verfahrens könnte die Rahmenbedingungen für den Umgang mit Nutzerdaten in der europäischen Tech-Welt neu definieren – und eine wichtige Signalwirkung für andere Unternehmen haben.

Artikel teilen

Diese Artikel könnten dich auch interessieren

Ein Team arbeitet an Deepseek KI-Anwendungen.

DeepSeek KI: Chinas innovativer Vorstoß bedroht Dominanz der US-Tech-Giganten

Die Deepseek KI aus China stellt die Tech-Welt auf den Kopf. Mit einer beeindruckenden Kombination aus Effizienz und Kostenvorteilen rüttelt das Start-up an der Vormachtstellung etablierter US-Technologiegiganten und sorgt für einen Rekordwertverlust bei NVIDIA-Akien an der Börse. Welche Technologien und Strategien stehen hinter diesem Aufstieg? Und welche Veränderungen könnte dies für den globalen Markt der…

30. Januar 2025
Weiterlesen
Ein Wissenschaftlerteam arbeitet an AGI-Technologie.

Artificial General Intelligence: Der Schritt zur Superintelligenz?

Die Vision einer Artificial General Intelligence, die menschliches Denken und Handeln umfassend nachbilden kann, fasziniert und polarisiert zugleich. Wissenschaftler*innen weltweit tüfteln an dieser Technologie, die weit über die Fähigkeiten heutiger KI-Systeme hinausgehen soll. Doch wie nah sind wir tatsächlich an diesem Meilenstein, und welche ethischen und gesellschaftlichen Fragen wirft sie auf? Der Weg zur AGI…

9. Januar 2025
Weiterlesen

KI-Nutzung in Unternehmen: Chancen nutzen, Skepsis überwinden

Am 25.11.2024 wurde die Erhebung des Statistischen Bundesamtes zur KI-Nutzung in Unternehmen veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass Unternehmen weltweit vor der Herausforderung stehen, KI-Technologien strategisch zu integrieren. Während Großkonzerne bereits auf automatisierte Prozesse und datenbasierte Entscheidungen setzen, kämpfen kleine und mittlere Unternehmen mit der Implementierung. Was treibt diese Entwicklung voran, und welche Hürden gilt es…

28. November 2024
Weiterlesen
DataHub Europe Rechenzentrum IT-Expert*innen in einer Diskussion

DataHub Europe: Schwarz Digits & Deutsche Bahn fördern sichere KI-Entwicklung

In Frankfurt haben Schwarz Digits und die Deutsche Bahn die innovative Plattform DataHub Europe vorgestellt. Diese Initiative zielt darauf ab, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen, um die Entwicklung von KI-Anwendungen entscheidend zu unterstützen. Fokus liegt auf Sicherheit und europäischem Datenschutz. Welche Bedeutung hat diese Plattform für die Zukunft der KI in Europa?

31. Oktober 2024
Weiterlesen
Person mit futuristischer KI-Brille in der Stadt

KI-Brille: Wie Meta und Apple unsere Sicht auf die Welt verändern

In der Welt der Technologie gibt es eine neue Evolution: die KI-Brille. Diese smarten Gläser versprechen, den Alltag zu revolutionieren. Vom Erkennen von Gesichtern bis zur Echtzeit-Übersetzung – die Einsatzmöglichkeiten scheinen grenzenlos. Doch wie funktionieren sie wirklich und welche Herausforderungen bringen sie mit sich? Dieser Beitrag beleuchtet die faszinierenden Facetten und potenziellen Auswirkungen der KI-Brille.

4. Oktober 2024
Weiterlesen

BMWs humanoide Roboter & die Zukunft der Automobilindustrie und des Mittelstands

Die Automobilindustrie entwickelt sich rasant weiter. Im BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina, beginnt eine neue Ära der Automatisierung. BMW testet dort humanoide Roboter von Figure AI – eine Technologie, die das Potenzial hat, die Produktion revolutionär zu verändern.

9. August 2024
Weiterlesen

OpenAI skizziert 5 Stufen der KI-Entwicklung – auf dem Weg zur Superintelligenz

Erreicht Künstliche Intelligenz (KI) bald menschenähnliche Fähigkeiten und wenn ja, wann? Sam Altman, Mitbegründer von OpenAI, hat dafür ein Fünfstufensystem vorgestellt – und sieht sich kurz vor der zweiten. ChatGPT steht demnach nur auf der ersten.

19. Juli 2024
Weiterlesen

Könnte Perplexity Google vom Thron stoßen?

Perplexity betritt mit einer neuen Bezahlversion die Bühne und verspricht, die Nutzung von KI im Geschäftsbereich grundlegend zu verändern.

20. Juni 2024
Weiterlesen

KI-Integration bei Apple: Mehr als nur ein Update?

Auf der diesjährigen WWDC-Konferenz hat Apple eine der wohl spannendsten und weitreichendsten Neuerungen seiner jüngeren Geschichte vorgestellt: die KI-Initiative „Apple Intelligence“

14. Juni 2024
Weiterlesen

ChatGPT-4o: So unglaublich menschlich ist der neue Sprachassistent von OpenAI

Faszinierend und ein wenig beängstigend zugleich ist die Tatsache, dass der neue Chatbot von OpenAI fast wie ein echter Mensch kommuniziert. Das Sprachmodell spricht mit bisher unerreichten menschlichen Nuancen in der Stimme, lässt Unterbrechungen zu und hört aufmerksam zu

31. Mai 2024
Weiterlesen

Mehr als nur Kurse:
Die NEXperts KI-Community

Lernen hört nach dem Kurs nicht auf. Teilnehmende der NEXperts Academy werden auch Teil unserer aktiven Community aus KI-Enthusiasten, Praktikern und Experten. Tausche dich aus, stelle Fragen, teile Erfahrungen und bleibe immer auf dem neuesten Stand der KI-Entwicklung. Für Academy-Teilnehmende 1 Jahr kostenfrei.  

Mehr erfahren