Aktuelle IFS-Studie: Warum deutsche Unternehmen bei KI hinterherhinken

Die Erwartungen an Künstliche Intelligenz (KI) sind in deutschen Unternehmen immens. Laut einer aktuellen Studie des Unternehmensberatungsunternehmens IFS erwarten 91% der befragten Führungskräfte massive Vorteile durch den Einsatz dieser Schlüsseltechnologie. Doch was genau erhoffen sich die Unternehmen von KI, und wie realistisch sind diese Erwartungen angesichts der Herausforderungen, die es dabei zu meistern gilt?

Autor: Michael Quast | Experte für KI-Transformation

Vielfältige Anwendungsfelder und hohes Innovationspotenzial

Unternehmen aller Größenordnungen, vom Mittelstand bis hin zu globalen Konzernen, sehen in der Künstlichen Intelligenz einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor für die Zukunft. Sie erhoffen sich durch den Einsatz von KI vor allem eine deutliche Steigerung von Effizienz und Produktivität in ihren Betriebsabläufen.

Ein Kernversprechen der Technologie ist die Automatisierung von Routineaufgaben. KI-basierte Systeme können große Datenmengen in Echtzeit verarbeiten und daraus wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Dies ermöglicht es Unternehmen, präzisere Analysen durchzuführen, fundierte Entscheidungen zu treffen und schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Ein Beispiel hierfür ist die vorausschauende Wartung in der Industrie, bei der KI-Algorithmen Maschinendaten auswerten und bevorstehende Ausfälle vorhersagen können. Dies reduziert nicht nur Stillstandszeiten, sondern senkt auch Wartungskosten erheblich.

Darüber hinaus sehen Unternehmen in der Künstlichen Intelligenz enormes Potenzial für Innovationen. Sie erwarten, dass KI-Technologien ihnen helfen werden, neuartige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die ohne diese Technologie nicht möglich wären. Das reicht von intelligenten Assistenzsystemen über personalisierte Medizin bis hin zu zukunftsweisenden Geschäftsmodellen im Bereich Industrie 4.0.

Zahlreiche Praxisbeispiele unterstreichen diese Erwartungen. So nutzt der Automobilhersteller BMW KI in der Produktion, um Qualitätskontrollen zu automatisieren und Fehler frühzeitig zu erkennen. Die Deutsche Bank wiederum setzt KI-Algorithmen ein, um Finanztransaktionen in Echtzeit zu überwachen und Betrug zu verhindern. Auch im Einzelhandel zeigt sich das Potenzial der Technologie – der Handelsriese Amazon kann durch KI-basierte Personalisierung den Umsatz deutlich steigern.

Große Herausforderungen bei der Umsetzung

Trotz dieser vielversprechenden Möglichkeiten stehen viele Unternehmen bei der Implementierung von Künstlicher Intelligenz vor beträchtlichen Hürden. Zwei der größten Probleme sind der Mangel an qualifizierten Fachkräften sowie das Fehlen klarer strategischer Konzepte.

Der Fachkräftemangel ist eines der drängendsten Themen. Laut der IFS-Studie sind 43% der befragten Unternehmen der Meinung, dass die KI-Expertise und -Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter*innen zwar akzeptabel, aber durchaus verbesserungswürdig sind. Dieser Mangel an KI-Spezialist*innen führt dazu, dass viele Projekte in der Pilotphase stecken bleiben oder gar nicht erst gestartet werden. Der intensive Wettbewerb um die begehrten Talente verschärft die Situation zusätzlich.

Ein weiteres zentrales Hindernis ist das Fehlen klarer Strategien für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Laut der Studie glauben 86% der Führungskräfte, dass ein mangelnder strategischer Ansatz ein Indikator dafür ist, dass das Unternehmen nicht über die nötigen Fähigkeiten verfügt, um die Möglichkeiten von KI erfolgreich umzusetzen. Ohne eine robuste Planung laufen Unternehmen Gefahr, Ressourcen in Projekte zu investieren, die keine greifbaren Ergebnisse liefern. Dies kann zu Enttäuschungen und einem Verlust des Vertrauens in die Technologie führen.

Mittelstand auf dem Weg zur KI-Integration

Der Mittelstand in Deutschland nimmt die Herausforderungen der KI-Integration durchaus ernst. Laut der IFS-Studie haben 54% der befragten mittelständischen Unternehmen bereits erste KI-Pilotprojekte gestartet oder sind zumindest in der Planungsphase. Dies verdeutlicht, dass das Interesse an der Technologie groß ist und viele Betriebe die ersten Schritte wagen.

Allerdings verfügen nur 28% der mittelständischen Unternehmen über eine klare KI-Strategie und können auch konkrete Ergebnisse vorweisen. Rund 14% der Unternehmen befinden sich noch in der reinen Forschungsphase und führen unkoordinierte Tests durch, während 4% überhaupt keinen strukturierten Ansatz verfolgen.

Interessanterweise zeigen sich global betrachtet gerade große mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz von über 500 Millionen US-Dollar besonders engagiert bei der Optimierung ihrer KI-Aktivitäten. Dies deutet darauf hin, dass neben dem Budget auch eine solide IT-Architektur und Cloud-basierte Lösungen entscheidend für den KI-Erfolg sind.

Einzelne mittelständische Unternehmen berichten bereits von positiven ersten Erfahrungen. So konnte ein Maschinenbauunternehmen durch die Automatisierung von Produktionsprozessen nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Qualität seiner Erzeugnisse verbessern. Ein Logistikunternehmen nutzt KI-gestützte Analyse-Tools, um seine Lieferketten zu optimieren und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.

Schrittweise Umsetzung und Blick in die Zukunft

Trotz der vielfältigen Herausforderungen sind die Zukunftsaussichten für Künstliche Intelligenz in deutschen Unternehmen durchaus vielversprechend. Laut der IFS-Studie erwarten 51% der befragten Organisationen, dass KI in ein bis zwei Jahren einen spürbaren positiven Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit haben wird. Dieser Optimismus ist ein starker Indikator dafür, dass Unternehmen die nötigen Schritte einleiten, um ihre KI-Initiativen erfolgreich voranzutreiben.

Um dieses Potenzial zu heben, müssen Unternehmen jedoch einige wichtige Weichen stellen:

  1. Entwicklung einer klaren und umfassenden KI-Strategie mit kurz- und langfristigen Zielen
  2. Investition in die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeiter*innen, um interne KI-Kompetenzen aufzubauen
  3. Kooperation mit externen Partner*innen, um Zugang zu Expertise und innovativen Lösungen zu erhalten
  4. Transparente Kommunikation, um die Akzeptanz und das Vertrauen in KI bei Mitarbeiter*innen zu erhöhen

Gelingt es Unternehmen, diese Herausforderungen zu meistern, winken langfristig beträchtliche Vorteile: Effizienzsteigerung, Produktivitätserhöhung und die Entwicklung neuer, innovativer Geschäftsmodelle. Der Weg zur erfolgreichen KI-Integration ist zwar steinig, aber das enorme Potenzial dieser Technologie macht ihn für deutsche Unternehmen unerlässlich.

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