Die KI-gestützte Datenverarbeitung verändert die Art und Weise, wie Unternehmen weltweit Informationen nutzen. Durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien können riesige Datenmengen effizient ausgewertet werden. eBay macht es vor: Das Unternehmen passt seine Datenschutzerklärung an und erlaubt so künftig die Nutzung personenbezogener Daten zum Training von KI-Modellen. Datenschützer reagieren besorgt. Was wie ein technischer Fortschritt klingt, wirft grundsätzliche Fragen zur Verantwortung im Umgang mit KI und sensiblen Nutzerdaten auf.

Was plant eBay?
Der Online-Marktplatz eBay hat seine Datenschutzerklärung überarbeitet – mit weitreichenden Folgen: Künftig dürfen personenbezogene Daten von Nutzerinnen und Nutzern dazu verwendet werden, KI-Modelle zu trainieren. Das gab eBay Ende März bekannt und verweist in der aktualisierten Datenschutzerklärung darauf, dass Informationen etwa aus Produktbeschreibungen, Kommunikation auf der Plattform oder öffentlich sichtbaren Profilinhalten für die Weiterentwicklung eigener KI-Systeme genutzt werden können.
Ziel des Vorhabens ist es, Funktionen wie Produktempfehlungen, Textvorschläge oder automatisierte Kategorisierungen zu verbessern – klassische Anwendungsfälle für generative KI. Doch die Art und Weise, wie eBay dabei mit sensiblen Informationen umgeht, sorgt für deutliche Kritik.
Welche Daten sind betroffen – und wofür werden sie verwendet?
Nach Angaben des Unternehmens werden nicht nur allgemeine Nutzungsdaten analysiert, sondern auch Inhalte, die direkt mit der Identität von Nutzer*innen verknüpft sind. Dazu zählen:
- Inhalte aus Produktbeschreibungen, Bewertungen und Nachrichten,
- Transaktionsverläufe und Nutzerverhalten auf der Plattform,
- möglicherweise personenbezogene Angaben wie Name, Standort oder Kontaktdaten – wenn sie in öffentlichen Inhalten vorkommen.
Diese Daten fließen in sogenannte „Trainingsdaten-Pools“ ein, auf deren Basis KI-Systeme lernen, Sprache zu verstehen, Muster zu erkennen oder Inhalte zu generieren.
Besonders brisant: Das neue Regelwerk sieht vor, dass Nutzer aktiv widersprechen müssen, wenn sie nicht möchten, dass ihre Daten für KI-Zwecke verwendet werden – ein sogenanntes Opt-out-Modell. Genau das halten Datenschützer für problematisch.
Kritik von Datenschützern: Missachtung von Transparenz und Einwilligung
In einem Statement gegenüber der dpa kritisierte der Bundesdatenschutzbeauftragte, dass das Vorgehen eBays nicht den Anforderungen der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) entspreche. Dort ist geregelt, dass eine Verarbeitung sensibler oder nicht zwingend notwendiger Daten nur mit expliziter Zustimmung zulässig ist. Ein stillschweigendes Einverständnis – wie durch Opt-out-Mechanismen – wird von Experten rechtlich als unzureichend angesehen.
Auch Fachjurist*innen betonen: Nutzerinnen und Nutzer müssen verständlich und transparent darüber informiert werden, was mit ihren Daten geschieht. Im Fall eBay sei jedoch nicht klar, in welchem Umfang KI die Inhalte verarbeitet oder ob sie ausreichend anonymisiert werden. Zudem bestehe die Gefahr, dass Rückschlüsse auf Einzelpersonen gezogen werden können – etwa bei sensiblen Angaben in Nachrichten oder Angeboten.
eBay verteidigt sich – doch Transparenz bleibt vage
eBay selbst verweist auf die Möglichkeit zum Widerspruch: In den Datenschutzeinstellungen können Nutzer die Verwendung ihrer Daten zu KI-Zwecken deaktivieren. Gleichzeitig betont das Unternehmen, man halte sich an geltende Datenschutzgesetze und nutze modernste Sicherheitsstandards zur Datenverarbeitung.
Doch wie viele Nutzer diesen Opt-out tatsächlich finden und aktivieren, bleibt fraglich – ebenso wie die Frage, ob es sich dabei um eine echte Wahlfreiheit handelt.
Wachsende Debatte: Wem gehören unsere Daten in der KI-Ära?
Der Fall eBay reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Diskussionen rund um die KI-gestützte Datenverarbeitung großer Plattformen. Ob Google, Meta oder Amazon – überall werden Nutzerdaten zunehmend auch für KI-Zwecke analysiert und verwertet. Dabei verschwimmen oft die Grenzen zwischen Dienstleistung, Tracking und datenbasierter Modellierung.
Die EU arbeitet derzeit mit Hochdruck an der finalen Version des AI Act, der unter anderem regeln soll, unter welchen Bedingungen personenbezogene Daten für KI-Training verwendet werden dürfen. Doch bis dieser greift, bleibt die Rechtslage diffus – und Plattformen nutzen diese Grauzonen aktiv aus.
eBay als Fallbeispiel für die neue Datenökonomie
Der Umgang mit Daten wird zur zentralen Frage unserer digitalen Zukunft – und eBay liefert ein greifbares Beispiel dafür, wie schnell sich Grenzen verschieben können. Der Wunsch nach smarteren Diensten darf nicht zulasten der informationellen Selbstbestimmung gehen. Klar ist: KI braucht Daten – doch sie braucht auch Regeln.